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Co-Abhängigkeit - eines der verleugnetsten Beziehungsthemen

Wie Co-Abhängigkeit entsteht

Sowohl Erwachsene als auch Babys und Kinder werden co-abhängig, wenn sie mit einem suchtkranken Menschen länger zusammenleben bzw. eine enge Beziehung haben. Für die bzw. den Erwachsenen kann das der Partner sein, es können aber auch die eigenen Kinder oder ein enger Freund, Kollege oder Chef der Auslöser für Co-Abhängigkeit sein.

 

Abhängige, suchtkranke Menschen haben gemeinsam, dass sie in ihrer Überforderung und Verzweiflung nicht wirklich beziehungsfähig sind, dass sie sich anderen nicht ehrlich zuwenden können, keine Empathie aufbringen können und selbstbezogen sind.

 

Der Co-Abhängige verfällt der Illusion, dem Suchtkranken durch Zuwendung, Unterstützung, Verleugnung der Sucht und Verständnis helfen zu können. Dieser Trugschluss macht den Angehörigen zum Co-Abhängigen, weil er oder sie immer mehr Energie und Aufmerksamkeit in den anderen investiert und sich dabei selbst verliert.

 

Wie Co-Abhängigkeit sich entwickelt

Beschützer oder Erklärungsphase: zu Beginn wird Nachsicht mit dem Suchtkranken geübt. Man hat Verständnis oder verniedlicht das Suchtverhalten, verdrängt die Realität, wendet sich der Person mit Aufmerksamkeit und Mitgefühl zu. Eventuell ermuntert man ihn bzw. sie zur Selbstdisziplin und gibt Empfehlungen ab.

 

Kontrollphase: in der zweiten Phase wird die Sucht als Problem empfunden, sie wird zugedeckt und verheimlicht. Die Aufgaben und Probleme des Betroffenen werden übernommen und man entwickelt Mitleid mit dem Angehörigen. Die Beziehung ist nicht mehr auf Augenhöhe.

 

Anklagephase: in der dritten Phase wird der Suchtkranke beobachtet und überwacht. Man wird ihm gegenüber aggressiv (auch wenn man das nach außen nicht zeigt), isoliert sich von ihm und grenzt ihn aus. Verachtung und Abwendung vom Betroffenen durch Scheidung oder Kündigung können eine Konsequenz daraus sein, andere Beziehungen zwischen Erwachsenen bleiben in dieser Konstellation weiterbestehen, weil sich dennoch keiner der Beziehungspartner aus der dysfunktionalen Beziehung lösen kann. Auch in diesem Fall wird weiterhin geleugnet, dass die Sucht eine Krankheit ist, die der Betroffene alleine, ohne Hilfe, nicht bewältigen kann.

 

Wie Co-Abhängigkeit sich auswirkt

Es kommt der Tag, an dem für den Co-Abhängigen, die Co-Abhängige die eigenen Gefühle, Interessen, Bedürfnisse, Sehnsüchte, Hobbys, kurz – das eigene Leben – vor einem selber nicht mehr existieren. Man bezeichnet Co-Abhängigkeit auch als „Die Sucht gebraucht zu werden“, weil man seinen eigenen Selbstwert mit der Leistung, die man für den anderen erbringt aufzumöbeln versucht. Für Kinder beginnt dieser Kreislauf unbewusst oft schon im Mutterleib, das das Überleben des Kindes davon abhängt, dass es den Eltern - als erster der Mutter - so gut geht, dass sie sich um ihr Kind kümmern kann.

 

Diese innere Leere ist ein Schrecken, der zur Verzweiflung und selbst später in süchtiges Verhalten treiben kann. Die Einsamkeit, die Isolation und das Gefühl nicht geliebt zu sein und nicht wirksam lieben zu können nehmen mehr und mehr zu.

 

Wege aus der Co-Abhängigkeit

Der erste Schritt ist die Bereitschaft die Realität anzuerkennen, und die eigene Rolle in dem System wahrzunehmen. Diesen Weg beschreitest Du gerade, indem du dich mit dem Thema befasst und die Inhalte auf dein Leben beziehst.

 

Der zweite Schritt ist deine abgespaltenen und verletzten Gefühle aufzuspüren, anzunehmen, zu zu verarbeiten und zu heilen, wozu üblicher Weise Hilfe und Unterstützung von zumindest einem anderen Menschen, der dich liebevoll spiegelt und dich in deiner Eigenständigkeit bedingungslos annimmt.

Der eigentümliche Drang zu Perfektionismus und „Einzelkämpfertum“ (... „ich schaff‘ das auch alleine!“) ist Teil co-abhängiger Denk- und Verhaltensweise. Und genau an dieser Stelle ist es hinderlich und letztlich gar nicht nötig sich zu schämen, Hilfe in Anspruch zu nehmen!

 

Sehr empfehlenswert ist es, wenn du dir sowohl eine Gruppe suchst, in der du auf diese Weise angenommen bist, (z. Bsp. Selbsthilfegruppe der Erwachsenen Kinder aus alkoholkranker/dysfunktionaler Familie - Adult Children of Alcoholics/Dysfunctional Families) als auch eine fachlich ausgebildete Person wie eine Therapeutin oder einen Begleiter, in jedem Fall aber Menschen, die wissen, was in dir vorgeht, weil sie selbst in einem co-abhängigen Familiensystem aufgewachsen sind.


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